Mittwoch, 29. Mai 2013

Uns von der Natur berühren lassen...

 
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In Mark Colemans Buch "Die Weisheit der Wildnis" (ich werde demnächst auch noch eine umfassende Rezension posten) fand ich dieses wundervolle Zitat:


Uns alle kann die Natur auf unterschiedliche Art und Weise berühren, sobald wir unsere Haltung ihr gegenüber ändern und ihr empfänglich und achtungsvoll begegnen. Wenn wir die Birken, die Vergissmeinnicht und die krächzenden Raben in den Baumwipfeln achten und bereit sind, von ihnen zu lernen, entwickeln wir vielleicht allmählich eine Beziehung zu ihnen. Und dann wird die Natur lebendig. Wir betrachten sie nicht länger als eine leblose oder nett anzuschauende Sache, sondern sehen sie als lebendige, atmende, geheimnisvolle Welt und als Schatztruhe der Weisheit und des Lernens, die stets ihre Lektionen für uns bereithält. So erwacht unsere Welt zum Leben und erlaubt uns, uns in jedem Augenblick berühren zu lassen: von den Magnolien in unserer Straße, der kühlen Novemberluft oder der Verspieltheit der im Gebüsch umherflitzenden Zaunkönige.











Mark Coleman: Die Weisheit der Wildnis

Donnerstag, 23. Mai 2013

Dostojewski - Die Welt lieben...

Liebe jedes Blatt ... Liebe die Tiere, liebe die Pflanzen, liebe alles. Wenn du alles liebst, wirst du das (...) Mysterium hinter den Dingen erkennen. Und wenn du es erkannt hast, wirst du es jeden Tag besser verstehen. Und am Ende wirst du die ganze Welt mit einer unerschütterlichen, allumfassenden Liebe lieben. 



Fjodor Dostojewski, Die Brüder Karamasow


Paul Hawken - Wir sind der Wandel


Ein grundlegender Wandel ist nötig – soweit sind wir uns alle einig. Ein Wandel, der dafür Sorge trägt, dass dem Umweltschutz endlich die gebührende Aufmerksamkeit zukommt, der das Leben achtet und in jeder Form respektiert, für den soziale Gerechtigkeit nicht nur eine leere Worthülse ist und der auch indigenen Völkern ihren Lebensraum zugesteht und nicht der Profitgier von millionenschweren Unternehmen opfert. Um es kurz zu sagen: Wir brauchen Menschen, denen die Lebensgrundlagen unseres Planeten am Herzen liegen und die seine Gesamtheit und Vielfalt erhalten möchten.

Der amerikanische Journalist Paul Hawken beschreibt in seinem Buch „Wir sind der Wandel“ diese Menschen, die sich einsetzen, die in irgendeiner Form – meist auf lokaler Ebene – aktiv werden und in beeindruckender Weise Einfluss auf ihre Kommunen, Regierungen und ihre Wirtschaft nehmen. Er schildert eine nahezu unsichtbare Bewegung, die immer weiter wächst und von Millionen Menschen getragen wird. Menschen, die sich wohl niemals treffen werden, die aber dennoch Teil eines weltumspannenden Netzwerks sind, welches von den Medien jedoch nicht wahrgenommen wird, da hier nicht die gewohnte Organisationsstruktur einer fixierten Ideologie vorliegt und somit eine mediengerechte Identifikation und Berichterstattung schwierig sind. Umso wichtiger ist Hawkens Buch, der diese Bewegung zusammenfasst, ihre geschichtlichen Anfänge in der Natur- und Gesellschaftsbetrachtung von Autoren wie Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau beleuchtet, über das Immunsystem der Erde und die Rolle der indigenen Völker referiert und schließlich mit einer ganz besonderen Qualität dem „Imperium“ einen Strich durch die Rechnung macht: Hoffnung. Hoffnung, die Kraft gibt, an diesem Wandel mitwirken zu wollen!

Wenn Paul Hawken bei seinen Vorträgen gefragt wird, ob er in Hinblick auf die zukünftigen Entwicklungen pessimistisch oder optimistisch sei, dann antwortet er stets gleich: „Wenn man sich die Forschungsergebnisse anschaut, die das beschreiben, was heute auf der Erde geschieht, und nicht pessimistisch ist, dann hat man nicht das korrekte Datenmaterial. Wenn man Menschen kennenlernt, die zu dieser namenlosen Bewegung gehören, und nicht optimistisch ist, hat man kein Herz.“

Gänzlich ohne erhobenen Zeigefinger macht Hawken deutlich, dass mit dem „Wir“ aus dem Titel seines Buches letztlich wir alle gemeint sind, jeder einzelne von uns. Bei unserem Einsatz für eine lebendige Vielfalt und eine lebenswerte Zukunft können wir vertrauen: „Die natürliche Intelligenz des Lebens wird uns führen, denn sie erschafft in jeder Sekunde unzählige Wunder, die von einer Bewegung weitergetragen werden, die namenlos ist.“
Paul Hawken ist sich sicher: „Das ökologische Gleichgewicht wieder herzustellen ist außerordentlich einfach: Wir beseitigen das, was das System daran hindert, sich selbst zu heilen.“
Starke Worte und ein starkes, sehr empfehlenswertes Buch!

  






 
Paul Hawken
Wir sind der Wandel
Warum die Rettung der Erde bereits voll im Gang ist – und kaum einer es bemerkt
Hans Nietsch Verlag



Freitag, 10. Mai 2013

Ryokan

Ryokan / Zeichnung von Kawai Gyokudo
Ein östlicher Wind
brachte den benötigten Regen,
die ganze Nacht
floss er in Strömen über das Strohdach,
während dieser Einsiedler
friedlich schlummerte,
ungestört vom Aufruhr
der fließenden Welt.

Grüne Berge baden im Sonnenaufgang,
Frühlingsvögel zwitschern in den Zweigen.
Ziellos spaziere ich durch die Pforte hinaus -
Bächlein fließen zu fernen Dörfern,
Liebliche Blumen schmücken die Berghänge.

Ich sehe einen alten Bauern,
der einen Ochsen führt,
und einen Jungen, der eine Hacke trägt.
Menschliche Wesen
müssen zu allen Jahreszeiten arbeiten,
von Sonnenaufgang bis -untergang.
Ich lebe hier in der Nähe meines Geburtsortes
und bin der einzige, der nichts zu tun hat.

Meister Ryokan (1758 - 1831)