Mittwoch, 30. Mai 2012

Ein paar Worte über Tiere

Philip Carr-Gomm, das Oberhaupt des Order of Bards, Ovates and Druids (OBOD), schrieb:

 Carr-Gomm (Foto: Paul Bompard)
Unsere Vorfahren verehrten jeden Aspekt der Natur als Verbündeten, Führer und Lehrer. (...) Die Verbindung zwischen unseren Vorfahren (Anm.: hier meint Philip die schamanisch und naturreligiös geprägten Gesellschaften des vorchristlichen Europas) und den Tieren war außergewöhnlich vielfältig und beinhaltete nicht nur eine Beziehung selbst zu den sogenannten niedersten Tieren, sondern auch zu den Wächtern dieser und der nächsten Welt, zu Heilern, Freunden und Lehrern. Es ist kein Wunder, dass sie die Tiere als heilig ansahen und als Gefährten der Götter verehrten. Erst wir, die neue zweidimensionale Menschheit, betrachten Tiere als "niedere" Kreaturen von untergeordneter Intelligenz und und von geringem Wert über die Nahrungskette hinaus. (...)


Unsere jüdisch-christliche Kultur hat uns gelehrt, uns vor Tieren zu fürchten - vor unserer eigenen Tiernatur und vor den Tieren in der Wildnis. Wer sagt, wir sollen uns "die Erde untertan machen", verlangt gleichzeitig, dass wir unser eigenes, instinktives Selbst "unterdrücken". In dieser Trennung von Geist und Materie, Verstand und Körper wurden unsere inneren Tiere jahrhundertelang gefangengehalten. Sie erschienen nur in unseren Träumen und wurden zu den Bestien, die am Abgrund unserer zivilisierten Welt lauerten - Werwölfe und gefährliche Raubtiere, die die "bestialen" Triebe des Menschen symbolisieren, der zu "zivilisiert" ist, um die Heiligkeit von Körper und Tier anzuerkennen. 
Aber paradoxerweise können wir nie ganz Mensch sein, solange wir die Tiere zurückweisen, die in unseren Herzen und Seelen leben. Um unsere Menschlichkeit wiederzuerlangen, müssen wir sie umfangen, lieben und vor allem kennenlernen. (...)
Mit jeder Tierart, die ausstirbt, stirbt etwas in uns.


(Quelle: Das keltische Tierorakel, Aurum Verlag, Bielefeld)

Dienstag, 22. Mai 2012

Die eWelt und das Tofu-Schnitzel von nebenan

(c) kwiatek7 - fotolia.com
Manchmal bin ich wirklich erstaunt! Da sitzt jemand neben mir im Bus und liest ein eBook auf seinem iPad (ha, was für ein Satz!) – und bei jedem Umblättern macht es leise „wuusch“, fast so als wäre das ein echtes Buch und nicht die virtuelle Kopie eines Leseerlebnisses. Ich gebe zu, ich bin leicht voreingenommen, weil ich Bücher liebe. Echte Bücher. Mit Seiten aus Papier, einem Umschlag, einem Gefühl, einem Duft… Aber was mich so in Erstaunen versetzte und mich leise schmunzeln ließ, ist die Tatsache, dass irgendjemandem in der Chefetage des großen Plastikapfels aufgefallen sein muss, dass etwas fehlt, dass dem simplen Datensatz eine wichtige Eigenschaft abgeht, die beim realen Buch ganz selbstverständlich im Lieferumfang enthalten ist. Und zwar ohne Mehrkosten und Download einer Extra-App. 

Offenbar ist das Surrogat nicht vollständig, eben nicht ganz echt. Und wir, die wir ohnehin den ganzen Tag vor Bildschirmen hocken und unsere virtuellen Freunde mit uninteressanten Details aus unserem Leben langweilen, sehnen uns nach dem Echten. Dem Wirklichen. Dem, was uns auf den Boden der Tatsachen zurückbringt, alle unsere Sinne anspricht, uns die Welt spüren und uns „mittendrin statt nur dabei“ fühlen lässt. Einfache Dinge, die seltener werden , weil unsere Aufmerksamkeit von all den „Ersatzdrogen“ aufgesogen wird. 
Henry David Thoreau
Tja, jetzt werde ich also alt und kulturpessimistisch. Das musste ja irgendwann so kommen. Aber das Echte hat’s mir einfach angetan – und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es anderen Menschen ebenso geht. Auch auf die Gefahr hin, dass mir Karen Duve, Jonathan Safran Foer und die PETA (bei denen ich übrigens Mitglied bin, nur so am Rande erwähnt) gehörig in den Hintern treten, fragte ich mich auf der letzten Veggie-Messe, über die ich mehr oder weniger zufällig schlenderte, warum die ganzen hippen Veganer denn nicht einfach Tofu essen könnten, anstatt mir ständig etwas von Tofu-Würstchen, Tofu-Schnitzeln und Tofu-Gulasch zu erzählen… Fehlt da auch etwas?! Versuchen wir die Natur auf eine Weise zu schützen, die uns selbst immer mehr von unserer eigenen Natur entfremdet?
Was bleibt mir also übrig? Wahrscheinlich werde ich auf eine abgelegene Insel ziehen, dort eine umfangreiche Bibliothek einrichten und  wilde Tiere jagen. Ich werde Unmengen Zucker statt Aspartam in mich hineinschütten, Bier mit Alkohol trinken, Butter statt Margarine genießen und es ansonsten wie Henry David Thoreau halten, der sagte: „Ich habe drei Stühle in meinem Haus. Einen für die Einsamkeit, zwei für Freundschaft, drei für Gesellschaft.“ Facebook wird mich hassen, aber ich werde glücklich sein! 
(DG)



Freitag, 11. Mai 2012

Buddhismus als reflektierte Lebenskunst


Weder der bemüht „trendige“ Titel noch das poppige Cover werden diesem Buch gerecht. Es gibt einen Satz über den Fleischkonsum Buddhas, Whisky taucht gar nicht auf und Sexstellen sucht man ebenfalls vergeblich... :-)
Was das Buch wirklich bietet, ist eine fundierte Einführung in buddhistische Grundgedanken, flüssig, locker und kenntnisreich von einem amerikanischen Philosophieprofessor verfasst. Gute Gedanken, in klaren Bildern ausgedrückt und auf die lebenstaugliche Essenz des Dharmas gerichtet. Asma skizziert die Kerngedanken der buddhistischen Weltanschauung und konzentriert sich hierbei vor allem auf die psychologischen und philosophischen Aussagen. Alles lediglich kulturelle Beiwerk, was der Buddhismus aus dem Hinduismus (oder aus anderen asiatischen Kulturen) übernommen hat, wird hinterfragt und vom Autor als eher unwichtig für den eigenen Weg eingeordnet. In diesem Aspekt ist das Buch mit Stephen Batchelors "Buddhismus für Ungläubige" vergleichbar, welches man ebenfalls nur empfehlen kann. Großartig sind die Ausführungen Asmas zum Elternsein, extrem unterhaltsam die Abrechnung mit all dem esoterischen "Quantenquatsch", spannend die Bezüge zu Kunst und Musik, anregend die schlüssige Argumentation gegen die „transzendente Verlockung“, erhellend auch das Kapitel "Dharma und das globale Dorf", in dem der Autor mit einigen Missverständnissen zum Thema "friedlicher Buddhismus" aufräumt... Man merkt Asma an, dass er sich seit über 20 Jahren mit dem Dharma beschäftigt und sich hierbei nicht wohlig in einer bestimmten Schule eingekapselt hat, sondern stets den Blick über den Tellerrand wagt.
Eine erfrischende und lohnenswerte Lektüre, die die Lehre des Buddhas als Lebenskunst und nicht als Religion darstellt.
(DG)