Freitag, 7. Dezember 2012

Feuergeist & Wandelwind

Der Nachfolger zur "Donnerseele" steht in den Startlöchern. Grund genug, unserer "Band" eine eigene Webseite zu spendieren:
VIVA VIATORES!

Schaut mal ab und an drauf - ich werde mich bemühen, immer wieder mal kleine Berichte und ein paar Fotos aus dem Studio zu posten... 


Und hier noch der offizielle Ankündigungstext des neuen Buch-&-CD-Sets:


Tanzen, sich bewegen, im Fluss sein… Füße, Beine, Arme – der ganze Körper im Rhythmus der Trommeln. Der Herzschlag der Erde, die Laute der Tiere, das Grollen, Fauchen, Fließen und Knistern der Elemente.
Kraftvoll, wild und erdig erklingen auf dieser CD verschiedenste Trommeln und Rasseln, über 60 Minuten technofrei und tanzbar. Wir tanzen unsere Seele, tanzen unser Totemtier, tanzen mit dem Feuer, tanzen für die Erde. Feuergeist & Wandelwind tragen uns, befreien Körper, Geist und Seele.
Alle Stücke gehen ineinander über, so dass es möglich ist, sich die ganze Laufzeit der CD über ekstatisch zu bewegen. Die Tracks sind aber auch einzeln für bestimmte Zwecke anspielbar: Heiltänze, Trancetänze, Krafttiertänze – mit dieser CD kommt ein neuer Rhythmus in unser Leben.
Das dazugehörige Buch von Vicky Gabriel, selbst Tanztherapeutin, Trancetanz-Lehrerin und schamanisch Praktizierende, stellt dar, wie Bewegung und Tanz unsere Spiritualität vertiefen können, wie wir unseren Körper für die Bedürfnisse unserer Seele öffnen können und wie wir uns einen neuen Zugang zu uns selbst und zu der Welt, die uns umgibt, ertanzen.


Das Ganze erscheint am 18. März 2013.

Folgende Tracks sind auf der CD zu finden:

01 Erdtanz
02 Krafttiertanz
03 Feuerwirbel
04 Heiltrance
05 Wandelkraft
06 Ahnentanz
07 Seelenpfad
 

***
Viatores
mit Vicky Gabriel (Buch)
Feuergeist & Wandelwind
Schamanische Heil- und Ritualtänze

Buch & CD
Buch: 48 Seiten, Hardcover / CD: ca. 65 min.
13,5 x 22,0 cm
ISBN 978-3-86663-090-1
19,95 €


***



Dienstag, 13. November 2012

Scott Cunningham über Naturmagie

Hier ein für manche Leser sicher ungewöhnlicher Weg der Naturerfahrung und der Naturnähe: Scott Cunningham (1956 – 1983), Autor vieler Werke im Bereich Neo-Paganismus, beschreibt hier seinen persönlichen Weg zur Naturmagie, seine Ansprüche daran und seine Hoffnungen, diesen Pfad betreffend.

Seit meiner frühesten Kindheit bin ich fasziniert gewesen von der Natur in all ihren wunderbaren Formen. Der Anblick eines Feldes blühender Wildblumen, die Struktur eines Granitfelsens – dies sind die Bilder meiner Kindheit, an die ich mich am lebhaftesten erinnern kann.
Während die anderen Jungs in meinem Alter lieber mit Fußbällen um sich warfen oder die Geheimnisse von Motoren und Vergasern zu ergründen suchten, versank ich mit meinen Blicken im Nachthimmel und versuchte, seine unendliche Weite zu begreifen. Angesichts dieser Unermesslichkeit empfand ich Ehrfurcht, ja sogar Angst. Die Fragen, die ich mir über seine Finsternis stellte und über die unzähligen Lichtpunkte mitten darin, führten zu immer mehr Fragen über die Natur um mich herum, die ich immer mehr lieben gelernt hatte.
Als ich feststellen musste, dass selbst die Wissenschaft auf meine brennendsten Fragen keine Antwort geben konnte, begann ich, mein Leben darauf auszurichten, hinter einige dieser Geheimnisse zu blicken und sie zu enträtseln. 

Auf meiner Suche nach Antworten stieß ich auf halb in Vergessenheit geratene Religionen und magische Systeme aus den entlegensten Winkeln unseres Planeten. Ich brachte bruchstückhaftes Wissen ans Licht, das mir von alten Tontafeln und magischen Abhandlungen entgegen strahlte. Als ich auf die Magie gestoßen war, wusste ich, dass ich ganz nah war. Denn hier fand ich Praktiken, die sich die Kräfte der Natur zunutze machten.
Von nun an begann ich, alles daran zu setzen, die zahllosen Formen der Magie zu erforschen. Ich begegnete Magiern und Hexern, die mich in meinem Lernen mit ihren geheimen Lehren unterstützten. Nach vielen Jahren wurde mir schließlich klar, dass die Wege der Magie sich all jenen eröffnen, die mit den Kräften der Natur arbeiteten. Ihre Geheimnisse entdeckt man nur in sich windenden Flüssen und dahin gleitenden Wolken; das rauschende Meer flüstert sie uns zu und auch die frische Brise; in Höhlen hallen sie wider von den Wänden; aus Steinen und Wäldern hört man ihre Stimmen.
Magie ist vermutlich die älteste existierende Wissenschaft, aber auch die am meisten missverstandene Praxis in unserer heutigen Welt – missverstanden leider auch von solchen, die von sich behaupten, selbst Magier zu sein.
Magie ist die Kunst, mit den Kräften der Natur zu arbeiten, um notwendige Veränderungen herbeizurufen. Das ist Magie – ganz einfach.

(c) Dieter76 - fotolia.com
Die Kräfte der Natur – wie sie in Erde, Luft, Wasser und Feuer Ausdruck finden – waren schon lange vor uns Menschen auf diesem Planeten. Man könnte sagen, diese Kräfte sind unsere spirituellen Ahnen, die uns den Weg bereitet haben für unsere Reise aus den sanften prähistorischen Ozeanen der Schöpfung.
Mit diesen Energien zu schwingen und sie in deine magische Arbeit mit einzubeziehen, kann nicht nur dramatische Veränderungen in deinem Leben hervorrufen, es gibt dir auch ein wunderbares Gespür dafür, deinen eigenen Platz in der großen Natur zu finden. Und vielleicht ist genau diese Frucht die süßeste, die ein Naturmagier pflücken kann.
Meine Suche nach Wissen ließ mich tief eintauchen in die Magie der Erde. Ich habe den alten Pfad beschritten, um mein Leben zu verbessern und auch, um ein tieferes Verständnis für dessen Wert und Sinn zu erfahren. Jeder, der sich auf diesen Weg begibt, wird dasselbe erleben.
Die Werkzeuge und Kräfte liegen nur so um uns herum und warten darauf, von uns ergriffen und genutzt zu werden. Mit ihrer Hilfe wird es möglich, über uns hinauszuwachsen und unser Potential auszuschöpfen.
Allerdings gehört dazu nicht, die Erde zu unterjochen und auszubeuten. Nur wenn wir dem Lied unseres Planeten lauschen und mit ihm verschmelzen, können wir wahre Magier werden, nur dann kann unsere Magie mit der gesamten Natur in Harmonie stehen.  (…)

In unserer heutigen Zeit ist die Erde in Aufruhr gebracht durch all die unüberlegt handelnden Menschen, die sie bewohnen. Wir als Magier werden uns hüten, die Erde oder die Elemente zu missbrauchen. Stattdessen arbeiten wir mit ihnen, wir senden unsere Energie hinaus auf diesen Planeten und all seine Lebewesen. Damit versorgen wir unser alleiniges Zuhause mit Kraft.
Naturmagie geht immer auch einher mit einer Lebensart. Für uns bedeutet das Recycling, Baumpflanzungen, Carsharing, bedachten Umgang mit dem Wasser, Holz statt Plastik, und vor allem schalten wir die Klimaanlage ab. Durch diese kleinen wenigen Schritte verstärken wir die Wirkung unserer Magie und unserer Rituale – allein schon dadurch, dass wir damit unseren Respekt bezeugen vor der Natur, vor Erde, Luft, Feuer und Wasser.
Ich wünsche mir, dass diese Techniken der Naturmagie uns alle mit Achtung und Bewunderung erfüllen für diesen Planeten und alles, was da lebt. (…)


  











Mittwoch, 24. Oktober 2012

Sterne, Kinder, Wälder ...

"Die Sterne erwecken ein bestimmtes Ehrfurchtsgefühl, weil sie, obwohl immer gegenwärtig, dennoch niemals erreichbar sind; aber alle natürlichen Dinge machen einen verwandten Eindruck, wenn der Geist ihren Einflüssen gegenüber offen ist. Die Natur tritt niemals unbedeutend in Erscheinung. Weder entreißt der weiseste Mensch ihr Geheimnis, noch verliert er seine Neugier dadurch, dass er ihre ganze Vollkommenheit erkennt. Die Natur wurde einem weisen Geiste noch niemals zum Spielzeug. (...) 
Um die Wahrheit zu sagen, wenige Erwachsene können die Natur sehen. Die meisten sehen die Sonne nicht. Zumindest ist ihr Sehen sehr oberflächlich. Die Sonne bescheint nur das Auge des Mannes, aber in das Auge und das Herz des Kindes scheint sie hinein. Derjenige ist ein Naturliebhaber, dessen innere und äußere Sinne noch wahrhaft übereinstimmen; wer sich den Geist der Kindheit noch bis hinein in die Jahre des Mannesalters erhalten hat. Sein Verkehr mit dem Himmel und der Erde wird ein Teil seiner täglichen Nahrung. (...)
Auch streift der Mensch in den Wäldern seine Jahre ab wie die Schlange ihre Haut und ist, in welchem Jahre seines Lebens er auch stehen mag, doch immer ein Kind. In den Wäldern ist immerwährende Jugend. In diesen Pflanzungen Gottes herrscht Würde und Heiligkeit, eine immerwährende Festlichkeit wird bereitet, und kein Gast vermag zu erkennen, wie er in tausend Jahren ihrer überdrüssig werden sollte."

Ralph Waldo Emerson, Natur (1849 erschienen)

Freitag, 19. Oktober 2012

Gewaltfreie Ernährung

(c) talsen - fotolia.com
Wo soll man beginnen, wenn man über die landwirtschaftliche Nutzung von Tieren in heutigen Industrienationen schreibt? Beim Entsetzen, das einen packt, wenn man sich die Bedingungen in der Massentierhaltung anschaut? Bei der Nichtachtung der Würde unserer Mitgeschöpfe? Bei den gesundheitlichen Problemen, die sich aus dem Verzehr auf dieser Weise erzeugter „Produkte“ ergeben? Vielleicht sollte man zu ungewöhnlichen Ideen greifen – und bei einem Swimming-Pool in Form einer Eiswaffel starten…

1947 wird John Robbins in eine Familie hineingeboren, die eines der größten Unternehmen in der Eiskremindustrie besitzt – und der bereits erwähnte eiswaffelförmige Swimming-Pool im Hause seiner Eltern ist das Symbol der Versprechung und der Erwartung: All das wird einmal John Robbins gehören – ein milliardenschweres Unternehmen, aufgebaut aus süßem, leckeren Eis.
Doch der eher bittere Beigeschmack dieses Imperiums fällt Robbins früh auf. Die meisten Familienmitglieder haben massive Gewichtsprobleme, der Onkel und Geschäftspartner stirbt an einem Herzinfarkt, der Vater erkrankt an Diabetes und Bluthochdruck und auch John Robbins selbst ist als Kind mehr krank als gesund. Zudem kann er nicht die Augen vor dem unendlichen Leid verschließen, dem die größten „Zulieferer“ dieses Unternehmens, die Milchkühe, ausgesetzt sind. Er sucht nach einem tieferen Leben, nach einem sinnvollen Dasein im Einklang mit der Natur, den Menschen und den Tieren.
1987 schreibt Robbins sein erstes Buch, welches ein internationaler Bestseller wird: „Ernährung für ein neues Jahrtausend“  nimmt viel vorweg, was heute bei Vegetariern und Veganern auf allgemeinen Anklang stößt. 1988 gründet Robbins EarthSave, eine gemeinnützige Organisation, die sich der Verbreitung von Informationen zu Gesundheit, Ernährung, nachhaltiger Landwirtschaft und ökologischen Alternativen verschrieben hat. Seitdem ist Robbins unermüdlich im Einsatz. Er schreibt Bücher (u.a. Food Revolution und Gesund bleiben bis 100) und hält Vorträge, immer mit der Maxime, eine gesunde Welt durch einen gesunden Lebensstil zu fördern.

Der „böse“ Bio-Garten

Gerade dieser Tage erscheint sein neuestes Buch „Letzter Ausweg vegan“, eine Sammlung von Essays und Blog-Beiträgen, deren Brisanz und Faktenlage einem den Atem stocken lässt.
Robbins berichtet aus seinem Heimatland, den USA – einem Land, in dem die Gattin des Präsidenten von der Lebensmittelindustrie scharf dafür angegangen wird, dass sie einen Bio-Garten angelegt hat und somit angeblich die „normale“ Landwirtschaft auf unfaire Weise diskriminiere. Ein Land, in dem der oberste Chef der Behörde für die Überwachung der Lebensmittelsicherheit, Michael R. Taylor, früher als Anwalt und Lobbyist für Monsanto gearbeitet hat, eines der Unternehmen, die mit genetisch verändertem Saatgut zugunsten des eigenen Gewinns eine ökologische Katastrophe heraufbeschwören. Ein Land, in dem Bio-Siegel an eben diese genetisch manipulierten oder auch bestrahlten Lebensmittel vergeben wird.

Nun könnte man versucht sein zu sagen, dass das eben Amerika sei und dass hierzulande doch alles viel harmloser aussehe. In manchen Fällen mag das stimmen, dennoch sind erschreckend viele Details, die Robbins benennt, auf Deutschland oder die Europäische Union insgesamt übertragbar. Wie viele Lebensmittelskandale haben wir in den letzten Jahren erlebt? Wie viele Gesetzeslücken werden von Regierungen geschaffen und welche Unternehmen, die diese Lücken geschickt ausnutzen, werden auch noch staatlich subventioniert? Und wie viele Politiker sitzen in Aufsichtsräten eher fragwürdiger Unternehmen und lassen sich für diese Tätigkeit fürstlich entlohnen?

Des einen Leid ist des anderen Fett

Amerikanische Verhältnisse sind nicht so weit entfernt, wie wir meinen, und die Bestrebungen, hierzulande ähnliche Voraussetzungen für den Anbau genmanipulierter Getreidesorten zu schaffen, wie es sie in den USA schon länger gibt, sind – ungeachtet der nicht einschätzbaren Risiken  – in vollem Gange.
Andere Aspekte einer aus dem Gleichgewicht geratenen Lebensmittelproduktion sind weltweit in den Industrienationen üblich. Das unbeschreibliche Leid einer Massentierhaltung, die man in Amerika auch gern klinisch sauber „geschlossene Tierfütterungsoperation“ nennt, ist auch vor unserer Haustür das Gleiche.
Fastfood-Ketten überschwemmen uns und unsere Kinder mit Werbung für künstliche, geschmacksverstärkerverseuchte Produkte, die der Gesundheit alles andere als zuträglich sind. Im Juni 2012 meldete das Robert-Koch-Institut, dass mittlerweile mehr als 23 Prozent der Deutschen fettleibig sind. 1998 waren es nur 19 Prozent der Bevölkerung, so die Süddeutsche Zeitung vom 14. Juni 2012. Auch die Zahl der Zuckerkranken stieg in dieser Zeit um zwei Prozentpunkte auf 7 Prozent. Sollten wir uns da nicht selbst nach der Fürsorgepflicht für unsere Kinder fragen?!

Robbins schreibt: „Gerade die ungesündesten Lebensmittel sind überall und günstig erhältlich, weil unsere Lebensmittelpolitik immer sie, und nicht die gesunde Nahrung, subventioniert hat. Was aber – so sollten wir uns fragen – sind die wirklichen Kosten
dieses nur scheinbar so billigen Fastfoods? Das landwirtschaftliche System, das es erzeugt, zerstört die dörflichen Gemeinschaften, verschmutzt unser Wasser, vernichtet unseren Mutterboden, verursacht den Tieren unermessliches Leid, produziert ungeheure Mengen von Treibhausgasen und vergiftet uns durch Nahrungsmittelstress.“

Bei uns selbst beginnen

Was können wir also tun? Wie können wir unser Konsumverhalten ändern und denjenigen Unternehmen unser Geld versagen, die uns ohne mit der Wimper zu zucken vergiften und zudem noch einen viel zu großen Einfluss auf unsere Regierungen nehmen?
Information ist laut Robbins das erste Gebot: „Sie sollten die Wahrheit kennen über das, was Sie essen, wie es erzeugt wird und wie es sich auf Ihr Leben und die ganze Welt auswirkt. Je mehr Sie wissen, desto sinnvoller und wirksamer können Sie handeln. Je mehr Sie wissen, desto besser können Sie Ihre Ernährungsweise Ihren Zwecken und Ihrem Geschmack anpassen. Ihr Geist klärt sich, Ihr Herz findet Ruhe und Frieden. Ihr Körper wird es Ihnen für den Rest Ihres Lebens danken.“

Wissen über das, was wirklich hinter den Kulissen geschieht, führt einerseits zu Empörung über die Skrupellosigkeit, die sich in der Wirtschaft schon viel zu lange breit gemacht hat, andererseits zu Mitgefühl den Leidenden dieses Systems gegenüber: den Tieren, den unterbezahlten Arbeitern, den Bauern in Entwicklungsländern, den tausenden unbekannter Schicksale, die im Namen eines immer mehr steigenden Profits einiger Weniger in den Staub getreten werden.
Laut Robbins wird ein bestimmter Grad eines vermeintlichen gesellschaftlichen Glücks erst dadurch möglich, „dass wir das ausblenden, was uns nicht gefällt und uns belastet“. Wenn wir erst SEHEN, folgt unser HANDELN, so Robbins Hoffnung.

Und so berichtet Robbins weiter über kalifornische Milchkühe, die unter extrem unnatürlichen Umständen eingesperrt und mit Hormonspritzen und Antibiotika im Futter als „vierbeinige Milchpumpen“ betrachtet und behandelt werden, um im Schnitt 1300 Liter mehr Milch zu geben als artgerecht gehaltene Kühe. Milch, die z.B. für viele Eiskremsorten verwendet wird und somit von Kühen stammt, denen Injektionen mit genetisch manipulierten bovinen Wachstumshormonen (rBGH) verabreicht werden. Er erzählt von bekannten Firmen wie Häagen-Dazs und Nestlé, die diese Milch weiterhin verwenden, obwohl Untersuchungen ergeben haben, dass dies bei den Rindern zu einer extremen Zunahme von weißen Blutkörperchen führt, was letztlich zur Folge hat, dass die Milch Eiter enthält. Gleichzeitig steigt der IGF-1 Wert in der Milch, was sich auch in den Körpern der menschlichen Verbraucher niederschlägt. Forschungen ergaben, dass Frauen mit erhöhtem IGF-1 Wert ein siebenfach höheres Risiko tragen, an Brustkrebs zu erkranken, als Frauen, bei denen der IGF-1 Wert im normalen Bereich liegt.

„Ein Drittel aller Kühe in Kalifornien leiden an einer schmerzhaften Infektion der Euter und mehr als die Hälfte an anderen Infektionen und Krankheiten. Die natürliche Lebensdauer einer Milchkuh beträgt zwanzig Jahre, in Kalifornien werden Kühe allerdings gewöhnlich im Alter von vier oder fünf Jahren geschlachtet, weil sie dann aufgrund von schmerzhaften Infektionen an den Beinen oder aufgrund von Kalziummangel nicht mehr die ihnen abverlangte unnatürlich hohen Milchmengen zu geben imstande sind.“

Kampagnen gegen Soja

Robbins berichtet auch von Kampagnen gegen Soja, bekanntlich ein Produkt, das der Fleischindustrie Umsatzeinbüßen verheißt. Absurdeste Behauptungen, die jeder Forschung zuwider laufen werden aufgestellt und propagiert, Gesundheitsrisiken werden genannt, die allesamt der Fantasie entsprungen sind. Immer noch ist Soja eines der gesündesten Lebensmittel, macht Robbins dagegen unmissverständlich und wissenschaftlich fundiert klar. Sorgen macht er sich beim Thema Soja dennoch, werden die wirklichen Gefahren in diesem Zusammenhang doch gern verschwiegen bzw. verharmlost.
Denn mittlerweile bestehen nahezu 90% des amerikanischen Sojaanbaus aus Monsantos genmanipulierter Sorte Roundup Ready – eine Sojabohne, die gegen das ebenfalls von Monsanto hergestellte Pestizid Roundup resistent ist. Robbins nennt es eindrücklich „Frankensteins Soja“.
2011 informierte Dr. Huber, emeritierter Professor und einer der führenden Wissenschaftler der USA den Landwirtschaftsminister Tom Vilsack über die Gefahren, die von Monsantos Roundup-Ready-Soja ausgehen, welches ein Pathogen bildet, das in den Boden und das Grundwasser eindringt. Dr. Huber schrieb, dass „die von diesem Pathogen ausgehende Gefährdung einzigartig ist und einen hohen Risikostatus aufweist. Laienhaft ausgedrückt handelt es sich … um einen Notfall.“
Zahllose Tierversuche beweisen, dass Roundup Fortpflanzungsstörungen und Missbildungen verursacht, und Studien aus den Jahren 2005 und 2009 ergaben, dass Roundup zum Absterben menschlicher Plazentazellen und innerhalb von nur 24 Stunden zum völligen Zelltod in der Nabelschnur beim Embryo führt.

Zumindest bislang dürfen in der EU keine genmanipulierten Sojasorten angebaut werden. Als Futtermittel dürfen sie allerdings genutzt werden – und auch Produkte, die aus diesen Sojasorten hergestellt wurden dürfen eingeführt und verkauft werden. Beim Einfluss, den eine Firma wie Monsanto auf Regierungen und ihre Entscheidungen hat, sollten wir uns jedoch vorsehen und mit allen Mitteln gegen einen Anbau in Europa vorgehen und gleichzeitig Produkte meiden, die von Firmen importiert werden, die Monsantos Frankenstein-Soja verwenden. Der Gang zum Bioladen und die Verwendung regionaler Produkte sind hier die erste Wahl.
Wie bereits erwähnt, folgt aus dem SEHEN das veränderte HANDELN.

Nicht die Hoffnung verlieren


(c) Daniel Bujack - fotolia.com
Wie kann man bei all den geschilderten Fakten nicht gänzlich verzweifeln? Wie findet John Robbins den Mut und die Energie weiterhin gegen genannte Missstände anzugehen ohne in eine bodenlose Depression zu fallen? Wie diesen erschreckenden Tatsachen begegnen?
In seinem Buch „Letzter Ausweg vegan“ kommt Robbins genau auf dieses Problem in einer einzigartigen und bewegenden Weise zu sprechen. Besser als er kann man es kaum ausdrücken, weshalb ich John Robbins selbst das Schlusswort überlassen möchte:

„Wir können es zulassen, dass sie unsere ganze Entschlossenheit und all unsere Möglichkeiten zerstören. Wir blicken der Geschichte ins Gesicht und können unseren
Blick abwenden. Oder wir können unseren Schmerz dazu nutzen, uns noch tiefer um alles zu sorgen, was bei uns und in der Welt gut und lebensspendend ist.

Wenn Ihnen wieder einmal jemand erzählt, es komme nicht darauf an, wer Sie sind oder dass Ihre Taten und Ihre Liebe keine Bedeutung haben, dann sollte er Folgendes wissen: Jeder, der mit seinem Leben für das einsteht, was ihm etwas bedeutet, ist Teil von etwas ganz Großem. Der Kampf um Gerechtigkeit ist so alt wie die Tyrannei selbst, und die Sehnsucht nach einer von Liebe geleiteten Welt ist so alt wie das menschliche Herz.

An das glaube ich: Wenn wir uns dem Leid und der Zerstörung im Leben zuwenden und eine Weise finden wollen, wirksam und positiv darauf zu reagieren, müssen wir offen sein für die lebensstärkenden Kräfte. Selbst in der schlimmsten Verzweiflung müssen wir auf unsere Kreativität und unsere Freude hören. Umgeben von Nachrichten, die uns das Herz brechen, müssen wir weiter von Frieden, Möglichkeiten und Fülle träumen.

Wir dürfen nie vergessen, dass in genau diesem Augenblick, wie in jedem anderen Augenblick, eine stetig wachsende Zahl von Menschen sich um eine bessere Welt bemüht – für sich, für ihre Kinder, für alle Kinder, jetzt und in Zukunft.
Geht es mit uns zu Ende? Oder fangen wir gerade erst an?
Soll uns unsere Verzweiflung vielleicht nicht zerstören, sondern nur neues Leben in uns wecken? Ja, es gibt hässliche Dinge – deshalb ist es so wichtig, dass wir die
Welt schön machen. Ja, es gibt unermessliches Leiden – deshalb brauchen wir viel Mitgefühl. Dann verleihen uns unsere Wunden Tiefe, Empathie und Verständnis. Dann verwandelt sich unser Leiden in etwas, wo wir uns auf andere beziehen und wachsen können.

Wir können immer noch gedeihliche, gerechte und nachhaltige Weisen des Lebens erschaffen. Trotz aller Täuschungen und gebrochener Versprechen ist die heutige Welt immer noch ein Ort, an dem unsere Herzen sich treffen und gemeinsam beflügelt werden können. Dafür sollten wir einstehen. Unsere Träume und Gebete wurzeln in etwas, das größer ist als der Tod. Unser Leid und unsere Wut auf die Grausamkeit in der Welt sind ein Teil unseres Erwachens. Heute geschieht etwas Geheimnisvolles in der Welt, und es ist ein Teil unserer Heilung.“

(c) Dirk Grosser 2012



Vielen Dank an das Magazin DAS WESENTLICHE, welches meinen Artikel in ihrer neuen Ausgabe gedruckt hat. (In der gleichen Ausgabe finden sich übrigens auch zwei überaus lesenswerte Artikel über die Hopi als Volk des Friedens und über die Magie des Wenigerwerdens wie man sie im Tao Te King entdecken kann...)


Freitag, 28. September 2012

Das Wunder gleich nebenan

Nur ein paar Schritte vor unserer Haustür können wir eine Welt entdecken, die vor Leben und Wunder nahezu platzt... Wildschweine mit ihren gestreiften Ferkeln, die auf der Suche nach Bucheckern und Eicheln den Waldboden durchwühlen - keckernde Eichhörnchen, die neugierig und immer auf der Suche nach der nächsten Nuss für den Wintervorrat von Ast zu Ast hüpfen - röhrende Hirsche im Dunst des ersten Morgenlichtes - scheue Füchse, deren rotes Fell in der Sonne strahlt - Hirschkäfer, die mit ihrem geweihartigen Oberkiefer bewehrt durchs Laub stapfen - eine vielfältige Pflanzenwelt aus Sträuchern, Bäumen, Moosen, Pilzen und Flechten...
In sechs Jahren Drehzeit an über 70 Orten in Deutschland, Österreich und Dänemark, in über 100 Nächten im Tarnzelt und 15 Flugstunden mit dem Heißluftballon ist nun ein Film über unsere heimischen Wälder entstanden: Das grüne Wunder. Hier der Trailer zum Reinschnuppern:


Seit ein paar Tagen ist der Film in ausgewählten Programmkinos zu sehen. Sehr empfehlenswert! Und wie gesagt: Nur ein paar Schritte vor unserer Haustür befindet sich das Original... Viel Spaß im Kino und im Wald!

Mittwoch, 19. September 2012

Vortrag Selbst ein Anfang sein

Zu sein, was wir sind, und zu werden, was wir werden können, 
ist der einzige Sinn des Lebens.
Robert Louis Stevenson

Am kommenden Samstag, den 22. September, halte ich beim 8. Heidentag auf Burg Bilstein einen Vortrag zum Thema meines Buches "Selbst ein Anfang sein" und erzähle von einer namenlosen Naturspiritualität, die sich ganz ohne Dogma und Glaubenssätze auf die Wunder der Welt, der Natur, des Lebens und des Alltags fokussiert.
Es wird um unsere menschliche Wanderschaft gehen, um Zugehörigkeit und Entfaltung, um Staunen, Freiheit, innere Widersprüche, Schönheit, Sehnsucht und darum, mit neuen Augen sehen zu lernen... Nach dem Vortrag werde ich noch eine ganze Weile auf dem Heidentag sein, so dass sich bestimmt genügend Zeit für Gespräche finden wird.

Das Programm des Heidentages beinhaltet auch noch Vorträge von Ulrike Beschow und Voenix, dazu eine Vorstellung der KultUrgeister-Projekte mit bardischer Musik, Maskenbund und Heilerkreis, einen Wicca-Workshop, verschiedene Kunsthandwerke und gemeinsame Rituale. Das komplette Programm findet man HIER. 

In Kurzform:
Samstag, 22. September - 17.00 Uhr
Vortrag Selbst ein Anfang sein
Burg Bilstein
Von-Gevore-Weg 10
57368 Lennestadt 


Ich würde mich sehr freuen, den einen Leser oder die andere Leserin meines Buches persönlich kennenzulernen. 










Dirk Grosser: Selbst ein Anfang sein

Mittwoch, 5. September 2012

Alan Watts und das wahre Selbst

Alan Watts (1915 - 1973), englischer Religionsphilosoph, Schriftsteller, Zen-Praktizierender, Taoist, Bewusstseinsforscher, Grenzüberschreiter, LSD-User, Brückenbauer zwischen Ost und West, Mystiker, Nonkonformist, kreativer Denker und vieles mehr spricht über das wahre Selbst, das in Verbundenheit mit allem anderen existiert. Hier ein Video-Remix mit Originalaufnahmen von Watts und Bildern aus dem Film "Baraka". Sehenswert, hörenswert...



You're breathing
The wind is blowing
The trees are waving
Your nerves are tingling

The individual and the universe
Are inseparable
But the curious thing is
Very few people are aware of it

Everything in nature
Depends on everything else
So it's interconnected

We confuse ourselves as living organisms which are one with this whole universe
With something we call our personality
And what is our personality?

And our fundamental self is not something just inside the skin
It's everything around us with which we connect

When you look out of your eyes
At nature happening out there
You're looking at you
That's the real you-
The you that goes on of itself

Now listen

It's absolutely necessary
That we let go of ourselves- and it can't be done,
Not by anything that we call doing it, acting, willing,
Or even just accepting things

It seems that the human being
Really has a very simple kind of mind
Nature is wiggly
Everything wiggles
And all this wiggliness is too complicated



   






Und wer mehr von Watts entdecken möchte, dem empfehle ich sein großartiges Buch "Zen - Stille des Geistes"

Mittwoch, 22. August 2012

Sam Keen, der Zauberer von Oz und die Erfahrung des Heiligen

Der von mir hochgeschätzte amerikanische Autor (und langjährige Chefredakteur von „Psychology Today“) Sam Keen stellt in seinem neuesten Buch Das Feuer im Herzen entfachen eine Reihe wichtiger Fragen, die ich hier wiedergeben möchte:

Wenn aber ein Gespür für das Heilige fehlt, was wird dann die Quelle von Mitleid, Opfer und Sorge umeinander sein können, wo doch ohne dies alles kein Allgemeinwohl möglich ist? Wie sollen wir Werte entdecken, die über die selbstsüchtigen Interessen des Egos, der Familie, des Stammes, des Konzerns und der Nation hinausgehen? Wie sollen wir das Mitleid mit dem Fremden lernen? Woher sollen wir das Gefühl der Ehrfurcht vor dem Leben haben, das die Grundlage des Wunsches nach dem Erhalt unserer Umwelt ist?
Können wir vernünftigerweise hoffen, dass multinationale Konzerne ein Herz bekommen, so wie der Blechmann in der Geschichte vom „Zauberer von Oz“, und anfangen, sich mehr Sorgen um das Gemeinwohl zu machen als um den Nettogewinn? Können wir vernünftigerweise hoffen, dass Politiker und Journalisten so wie die Vogelscheuche in dieser Geschichte ein Gehirn bekommen und der Öffentlichkeit komplexe Sachverhalte erklären, statt nur Sündenböcke und Feinde zu erfinden? Können wir vernünftigerweise hoffen, dass das militärische Establishment so wie der Löwe in dieser Geschichte aufhören wird, sich hinter Frauen und Kindern zu verstecken und in der Kriegsführung „akzeptable Kollateralschäden“ einzukalkulieren, und stattdessen den Mut bekommen wird, Friedensstifter zu werden? Können wir vernünftigerweise hoffen, dass technikbegeisterte Forscher und Ingenieure das soziale Gewissen entwickeln werden, sich nur noch auf kreative Innovationen zu konzentrieren, die nicht als Massenvernichtungswaffen zu gebrauchen sind? Können wir vernünftigerweise hoffen, die Verbraucher lernen, was es heißt, „es reicht“ zu sagen und auf den Kauf von Luxusgütern verzichten, bis alle das Notwendige haben? Können wir vernünftigerweise hoffen, dass die selbstgefällige Mehrheit der guten Christen, guten Juden, guten Muslime und guten Hindus fordern wird, ihre Führer sollten damit aufhören, die Gewaltakte der Staaten und des Dschihad abzusegnen, um eine Gemeinschaft des Mitgefühls und Friedens für alle Lebewesen zu entwickeln?
In der Geschichte vom „Zauberer von Oz“ kann Dorothy nur dann nach Hause finden, wenn der Blechmann sein Herz und die Vogelscheuche ihr Gehirn bekommt und der Löwe seine Angst verliert. Wenn wir nicht wieder die Tugenden der Ehrfurcht und Rücksichtnahme entdecken, sieht unsere Zukunft auf diesem Planeten düster und brutal aus – und wird recht kurz sein.
Aber bevor wir angesichts dieses trostlosen Szenarios die Hoffnung verlieren, sollten wir uns nach einer hoffnungsvollen Alternative zu dem unablässigen Angriff auf einen als Geisel genommenen Gott und zu einem nihilistischen Säkularismus umsehen. Gibt es einen Ausweg aus dieser Vorhölle für diejenigen, die nicht an jene Wunder, Geheimnisse und Autoritäten glauben können, die eine institutionelle Religion bietet, und die sich auch nicht in der Lage sehen, in der spirituellen Armut unserer Wirtschaftsideologie zu gedeihen?
Ich möchte behaupten, es gibt einen solchen Ausweg; aber wir müssen wissen, wo er zu finden ist.
Überraschenderweise dürfte sich die Neuorientierung am wahrscheinlichsten daraus ergeben, dass wir neu verstehen, was im Kern der Religion steckt. Die Vision, die uns abgeht, ist uns nicht verloren gegangen; wir haben sie nur vergessen. Sie schlummert in der Pfahlwurzel, der die Religion ursprünglich entspross: im kaleidoskopartigen Reichtum unserer Erfahrung des Heiligen. Wir haben sie nur an lauter falschen Orten gesucht. (…)
Ich will versuchen, die formalistischen Verkrustungen von der Religion abzulösen und das Fleisch freizulegen, das lebendige Herz dieser Wirklichkeit, die Erfahrung, an der alle authentisch religiösen Menschen teilhaben: dass sie in einer Welt leben, die sie als heilig erfahren. 


(aus: Sam Keen, Das Feuer im Herzen entfachen. Die Kraft der Spiritualität, Kreuz Verlag, Freiburg 2011)

Übrigens hat das Buch im Original einen Titel, der in eine gänzlich andere Richtung geht und den Inhalt weit genauer beschreibt:
In the Absence of God. Dwelling in the Presence of the Sacred. 



Mittwoch, 1. August 2012

Wolfworte

(c) Petra Kohlstädt
Seit Sonne und Mond das Licht machen, kenne ich dich. Ich habe dich aus dem einst undurchdringlichen Wald beobachtet. Von Bergkämmen aus sah ich dich jagen und beneidete dich um deine Beute.
Ich habe die Reste deiner Mahlzeiten gegessen und du die meinen.

Ich habe deine Lieder gehört und deine tanzenden Schatten um helle Feuer gesehen. Zu einer Zeit, die so weit zurückliegt, dass ich mich kaum erinnern kann, schlossen sich einige von uns euch an und saßen mit am Feuer.
Wir wurden Mitglieder eurer Rudel, jagten mit euch, beschützten euch, liebten euch.
Wir haben eine lange Zeit miteinander verbracht. Wir waren uns sehr ähnlich. Daher habt ihr die Zahmen adoptiert.
Ich weiß, daß einige unter euch mich, den Wilden respektieren. Ich bin ein guter Jäger. Auch ich habe euch respektiert. Ihr wart gute Jäger. Ich habe euch beobachtet, wie ihr zusammen mit den Zahmen im Rudel gejagt und erbeutet habt.

Damals herrschte kein Mangel. Damals gab es nur wenige von euch. Damals waren die Wälder groß. Es war eine gute Zeit. Manchmal hab ich dich bestohlen, so wie du mich. Erinnerst du dich, als du hungertest, der Schnee tief lag, und du das Fleisch gegessen hast, das wir getötet hatten?
Es war ein Spiel. Es war eine Schuld.
Manche mögen es ein Verbrechen nennen.

Viele der Zahmen und die meisten von euch sind uns sehr fremd geworden.
Einst waren wir so ähnlich. Du hast auch das Fleisch zahm gemacht. Als ich damit anfing, dein zahmes Fleisch zu jagen, hast du mich gejagt. Ich verstehe das nicht. Ich sah, daß deine Rudel größer wurden und gegeneinander kämpften. Ich habe deine großen Schlachten beobachtet. Ich tat mich gütlich an denen, die liegen blieben. Da jagtest du mich noch mehr. Ich verstehe das nicht. Sie waren Fleisch. Du hast sie getötet.

Wir Wilden sind nicht mehr viele. Du hast die Wälder klein gemacht. Du hast viele von uns getötet. Aber ich jage noch und füttere unsere jungen Welpen.
Das werde ich immer tun. Ich frage mich, ob die Zahmen, die mit dir leben, eine gute Wahl getroffen haben. Sie haben den Geist verloren, in der Wildnis zu leben. Sie sind zahlreich, aber sie sind fremd. Wir sind wenige. Noch immer beobachte ich dich, daher kann ich dich meiden.

Ich glaube, ich kenne dich nicht mehr.

Von Jim Brandenburg. Aus seinem Buch "Bruder Wolf. Das vergessene Versprechen."

Freitag, 29. Juni 2012

Freiheit und Verbundenheit

Zu sein, was wir sind, und zu werden, was wir werden können,
ist der einzige Sinn des Lebens.
Robert Louis Stevenson
 
Uns selbst treu sein und einen Weg gehen, der uns in die Weite und in die Freiheit führt, wahrhaftig sein und immer mehr sowohl in die eigene als auch in die Tiefe des Seins als solchem vordringen, jeden Moment schätzen lernen und Dankbarkeit dem Kosmos und dem Leben gegenüber entwickeln, uns selbst und andere lieben, dabei Freude und Kraft atmen ... – das bedeutet für mich, wirklich spirituell zu leben!

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Die Masken fallen lassen. Offen aufeinander zugehen. Unsere Erfahrungen miteinander teilen und voneinander lernen. Uns nicht von anderen abgrenzen müssen. Nicht eng im Herzen werden, sondern es durch die eigene Beziehung zum Universum, die jeden anderen individuellen Weg wertschätzt, immer offener werden lassen. Uns die Hände reichen. Liebe finden, Frieden stiften.

Wie können wir dieses Ideal erreichen, was vermutlich sehr viele Menschen haben, aber doch offenbar nicht leben können?
Wie können wir uns miteinander verbinden, für das große Ganze einstehen und dennoch ganz wir selbst, mit allen Aspekten unserer Individualität bleiben? Wie können wir uns selbst als Holon entdecken, in dem ALLES enthalten ist und welches dieses ALLES auf seine ganz eigene Art lebt?


Religionen und Philosophien versuchen seit langer Zeit, darauf eine Antwort zu geben, doch lange bevor sich die einzelnen Religionen, wie wir sie heute kennen, gebildet hatten, gab es schon die Mystik, die stille Vereinigung mit dem Urgrund allen Seins. Die Mystik war lebendig, bevor die Weltreligionen entstanden, sie war stets im Untergrund dieser Wege auffindbar und sie wird auch noch blühen, wenn die einzelnen Religionen ihre letzte fruchtbare Kraft verlieren und nur noch Museumsstücke sind. Sie entstand in Nächten, in denen die Welt tief atmete, auf dunklen Ebenen an einsamen Lagerfeuern, auf hohen Bergen, die in den Sonnenaufgang getaucht waren, in Wäldern, die vor Leben brodelten und in Wüsten, in denen die Stille sprach.

Wir finden sie innerhalb jeder Tradition in den Spuren von Menschen, die ihre eigene Beziehung zum Strom des Heiligen, der durch den Kosmos fließt, lebten und diesen nicht durch die Staudämme etablierter Religionen und gesellschaftlicher Konventionen hindern lassen wollten und konnten.

Während die klassische Theologie unterschiedliche Konzepte präsentiert, über die diskutiert, gestritten und manches Mal sogar Kriege geführt wurden und werden, betont die Mystik das Erleben des geheiligten Kosmos, welches schließlich alle Gottesvorstellungen hinter sich lässt und in eine bewusste Schau des hier und jetzt Gegebenen mündet. In diesem direkten Erleben lösen sich die trennenden Konzepte der unterschiedlichen Religionen auf – hier ist nur noch eigenes Erleben einer nährenden Stille. Diese Stille ist von einem personalen Gott befreit, dessen Ursprung als psychologische Projektion unserer selbst begriffen wird. Die Mystik hat keine heiligen Bücher, deren Inhalt nicht angezweifelt werden dürfte, weil jedem Mystiker bewusst ist, wie wenig seine Sprache ausreicht, um das Erlebte auszudrücken. Stattdessen hat die Mystik Staunen, Verwunderung, unzählige Rätsel, innere Ergriffenheit und die zärtliche Berührung des weiten Raums, der uns umgibt und erfüllt.

Jeder der großen Religionsstifter war ein Mystiker, der in Kontakt mit dem kosmischen Strom des Seins war, ganz unabhängig davon, wie er es benannte. In ihren Versuchen, die eigene Erfahrung mitzuteilen, griffen diese Menschen meist auf Geschichten, auf Gleichnisse oder auf Poesie zurück – alles Arten des Erzählens, die viel Raum zwischen den Worten freigeben, damit sie vom Hörer mit eigenen Bildern des Herzens gefüllt werden können. Gleich wie das Erlebte bezeichnet wurde, ob Gott, Tao, Leere oder reines Sein, der Name war stets nicht die Sache selbst.

War Buddha ein Buddhist?
 

War Jesus ein Christ?
War Laotse Taoist? 
Muss ich irgendetwas sein?

Wenn die Illusion der Trennung endet, treten wir gemeinsam mit allen Menschen, egal welcher Religion oder Lebensanschauung sie angehören, in den Raum der Einheit.
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Den Raum, den vor uns schon so viele Mystiker betreten haben. Den namenlosen Raum, von dem Buddha als auch Jesus sowie Laotse sprachen. Den Raum, den sowohl die keltischen Druiden als auch die germanischen Walas und die Brahmanen Indiens vor uns betraten und dessen Deutung sie uns in den jeweiligen Überlieferungen hinterließen. Nur in diesem Raum kann wahrer Friede und wahre Freiheit sein. Religionen und Philosophien sind im besten Falle Türen, die zu diesem Raum führen, aber es macht wenig Sinn, sein ganzes Leben vor einer wenn auch noch so schönen Tür stehen zu bleiben und diese zu bewundern. Wir müssen die Tür öffnen und den Raum dahinter betreten...Dieser Raum ist Leere, ohne Bezeichnungen, ohne Konzepte. Wir treten über die Schwelle und fallen. Das mag sich zuerst nicht sonderlich angenehm anfühlen – Ängste kommen hoch, vielleicht sogar Panik... Vielleicht versuchen wir nach vermeintlichen Sicherheiten zu greifen, doch letztlich greifen wir nur ins Leere.

Irgendwann spüren wir jedoch, dass dieser freie Fall genau der Ausdruck von Freiheit ist, den wir immer gesucht haben. Wir begreifen, dass dieser Fall nicht enden wird, dass der offene Raum des Geheiligten Universums unendlich groß ist, wir nicht am Ende hart aufschlagen werden, weil es kein Ende gibt... Wir können wirklich loslassen und den Flug genießen! Einen Flug, der uns in die Tiefe unseres Selbst und in die Tiefe all dessen führt, was ist. Einen Flug durch den Kosmos, der in jedem Moment das Leben in allem, was ist, berührt.

Dann können wir der Welt ein einzigartiges Geschenk geben: uns selbst. Wir müssen uns an kein System anpassen, wir müssen keine vorgegebene Rolle spielen – wir müssen unsere Menschlichkeit mit allen Fehlern und Schwächen, aber auch mit allen Stärken und Gaben erkennen und annehmen. All das gehört auf dieser Reise dazu, ist Ausdruck der Vielfalt in der Einheit. Unsere Einzigartigkeit macht diesen Kosmos noch einzigartiger und besteht jenseits von Ideen, Theorien und Modellen. Wir brauchen weder Masken noch Namen, sondern nur die Wirklichkeit selbst. Wir können die namenlose Kraft, die uns auf unserer Reise durch den Kosmos begegnet, einatmen und uns von ihr durchströmen lassen. Diese Zugehörigkeit, die jenseits von Begriffen existiert, stärkt und verwurzelt uns, indem sie uns fühlen lässt, wie unser Herz im Einklang mit dem Rhythmus des Lebens als solchem schlägt. Gleichzeitig können wir diese Kraft durch unsere Gedanken, Worte und Taten wieder ausatmen und versehen mit unserer individuellen Färbung wieder dem Leben zurückgeben. Die Wirklichkeit lebt und wirkt durch uns, die wir als Teil eines unermesslichen Kreislaufs die Grenzen unserer vorgefassten Begrifflichkeiten hinter uns lassen.

Mystik fängt dort an, wo Bezeichnungen enden. Der Mystiker erfährt die eigene Beziehung zum Universum, welche sich in einer Kosmologie ausdrückt, die ihn immer tiefer in das Sein hineinführt. Die Kosmologie des Mystikers ist keine theoretische Abhandlung, sondern eine lebendige Begegnung. Sie ist aber auch nicht reine Subjektivität, sondern bezieht Erkenntnisse aus Natur- und Geisteswissenschaften mit ein. Sie entwickelt sich aus Wissenschaft, Kunst, Philosophie, authentischer Spiritualität und echter Erfahrung und beeinflusst diese gleichsam.
Kosmologie und Mystik verbinden sich zu einem Weg in die Tiefe des Lebens, das eine kann ohne das andere nicht sein. Gemeinsam sind sie Ausdruck des Geheiligten Mensch-Seins in einem Geheiligten Universum. Ge-heiligt sowohl als aktive Tätigkeit unseres eigenen Segnens als auch als passives Erfahren einer gründenden Heiligkeit des Kosmos und all seiner Wesen.
In dieser beidseitigen Erfahrung wird unser Herz größer und offener, so dass wir irgendwann gemeinsam mit dem großen Dichter Walt Whitman sagen können: „Mein Herz ist weit. In mir hat vieles Platz.“


 
 

Dieser Artikel ist ein Ausschnitt aus meinem Buch "Selbst ein Anfang sein".
Mehr zum Buch in der neuen Rubrik "Veröffentlichungen".

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Donnerstag, 28. Juni 2012

Die Seele des Waldes

Zwischen bemoosten, knorrigen Gestalten und goldenem Dunst bewegt sich eine ganz eigene Welt. Ein rotbrauner Fellblitz schießt den Baum herauf, winzige Füße trippeln durch verwelktes Laub am Boden, hier knackt es, dort ruft es, man kann das Wild riechen, die Schwingen der Vögel und das unermüdliche Klopfen des Spechts hören. Unter jedem Stein, unter jeder Rinde kriecht und krabbelt es, jeder Zentimeter Raum ist erfüllt von Leben. 

Cernunnos (c) Voenix

Obwohl tausend Stimmen ertönen, herrscht in uns eine eigentümliche, beruhigende Stille. Eine Stille, die uns tief lauschen lässt, die unseren Geist in die Melodie des Waldes hineinfallen lässt. Der Wald singt seine Seele mit der ehrfurchtgebietenden Stimme Freyrs und dem Grunzen seines Ebers, mit den kehligen Liedern Cernunnos‘, mit dem lieblichen Flüstern Sequanas, mit den weit gewanderten Versen Grimnirs und mit den Flöten des Pan, wie Vivianne Crowley uns in einem ihrer wunderbaren Gedichte erzählt:

In tiefen Höhlen schlafen die Alten Götter
Doch noch immer erkennen die Bäume ihren Herrn
Und es sind die Flöten des Pan
Die das alte Lied erklingen lassen
Im Zwielicht in den Wäldern
Tanzen die Blätter zur Melodie des Ziegengottes
Und wispern seinen Namen in den Wind
Der Eichenbaum träumt von einem Gott mit Hörnern
Und weiß von keinem anderen König

Mit uralten Bildern berührt uns die Seele des Waldes und schenkt uns selbst ein neues Lied, welches uns verwandelt. Der Physiker Brian Swimme schreibt (ich habe es in diesem Blog schon einmal zitiert, weil ich es für überaus wichtig halte und es sich mit meinen Erfahrungen deckt): „Das Ich, das in den Wald hineinging, wird es nicht länger geben, denn du wirst neu sein, du wirst die Gegenwart des Waldes mit dir tragen. Die Wälder sind voll von lebendiger Musik auf allen verborgenen Ebenen des Seins, und wenn du diese Musik hörst, dann weißt du, dass der Wald jede Zelle deines Körpers durchdrungen hat.“
Wenn wir uns vom Wald berühren lassen und den alten Bildern, Mythen, Göttern und Archetypen erlauben, in uns aufzuscheinen, kommen wir wieder in Kontakt mit der Natur, mit unseren Ahnen, mit unseren Wurzeln, mit uns selbst. Unsere Seele ist dann mit der Welt verbunden, kreativ, fruchtbar und nicht länger in eingebildeter Abtrennung erstarrt. Wie beim Künstler und Mythenkenner Voenix (von dem die hier abgebildete Illustration von Cernunnos stammt) drückt sich diese Fruchtbarkeit und Kreativität, die sich aus tiefen Wurzeln nährt, dann in unserem Alltag aus, trägt die Seele des Waldes in unsere Städte und die Weisheit der alten Götter und Göttinnen in die Moderne. Das alte Lied im Zwielicht der Bäume verbindet uns mit der ursprünglichen Kraft, die alle Wesen umgibt und durchdringt... Wie tief, wie achtsam können wir lauschen? 
Diese wahrhaftige Kommunikation mit dem Lebendigen ist der beste Weg, dem in unserer Gesellschaft immer weiter um sich greifenden Gefühl der Entfremdung entgegenzuwirken und gleichzeitig ein zukunftsfähiges Umfeld für die uns nachfolgenden Generationen zu schaffen.
Wer dieses beseelte Leben mit all seinen tierischen, menschlichen, archetypischen und göttlichen Qualitäten erlebt, schützt dieses Leben, das auch ihn selbst erfüllt.


Mehr zu Cernunnos und anderen keltischen Göttern findet man hier:










Voenix: Der keltische Götterhimmel


Übrigens: Ein umfassendes Leitbild des Arun-Verlags sowie weitere Artikel und Interviews mit Autoren sind auf dem Blog des Verlags zu entdecken.  

Montag, 18. Juni 2012

Valravn

Ihr Schaffen wird als "pagan folk" eingeordnet oder auch als "wild north poetry" verstanden: Valravn (der "Rabe der Toten") mischen alte Instrumente wie Drehleier, Fiedel, Mandoline und Flöte mit elektronischen Klängen und Samples und krönen das Ganze mit der kantigen und eindrucksvollen Stimme ihrer Sängerin Anna Katrin Egilstrøð. Das klingt in etwa wie eine Zusammenarbeit von Faun und Björk, also traumhaft! 


Alte traditionelle Lieder von den Färöer-Inseln und eigene, textlich recht düstere Kompositionen mit Wurzeln im Folk, elektronisch aufgebohrt und auch visuell ganz anders umgesetzt als die meisten Pagan-Folk-Bands ihre Musik darstellen. Beeindruckend und absolut hörenswert!