Mittwoch, 28. September 2011

Der Weg - Enttäuschung und Befreiung...

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Das Beste, was uns auf unserem spirituellen Weg begegnen kann, sind Enttäuschungen. Wir alle möchten diese Erfahrungen so weit es geht meiden, ja, manchmal reden wir uns auch selbst Dinge immer wieder schön, um diesen Erlebnissen aus dem Weg zu gehen. Doch was wirklich geschieht, wenn wir uns in einer solchen Situation tief und ohne Angst einlassen, ist lediglich, dass die Täuschung endet. Wir werden ent-täuscht. Unsere Illusion über einen bestimmten Sachverhalt endet, unsere Wunschvorstellungen decken sich nicht mit der Realität, unsere Bedürfnisse, die wir auf einen bestimmten Menschen projizieren, werden nicht erfüllt.

Vielleicht entpuppt sich der nordamerikanische Medizinmann als Cola-saufender und ketterauchender Ignorant, der indische Yoga-Lehrer zeigt sein frauenfeindliches und faschistoides Gesicht, das Engel-Medium gibt nur Allgemeinplätze ohne jede Bedeutung für unser Leben von sich, der mild und sanft lächelnde Guru ist einzig an seinem Bankkonto interessiert…
Wie fühlt sich das an? Fühlen wir uns verletzt und betrogen? Fühlen wir uns auf den Arm genommen, obwohl wir doch viel lieber in den Arm genommen werden wollten? Fühlen wir uns unserer Zeit, Energie und unseres guten Willens beraubt?
So schlimm diese Gefühle im ersten Moment auch sein mögen, sie bergen die Möglichkeit einer großen Befreiung in sich. Wenn die Illusion von uns abfällt, lehrt uns die Enttäuschung, das Echte vom Unechten zu unterscheiden und zeigt uns gleichzeitig, dass wir (wie schon so oft) an der falschen Stelle gesucht haben.
Woher stammt diese Sehnsucht nach Erleuchtung, nach Weisheit, nach Wissen, möglichst nach Geheimwissen? Wen sollen diese Dinge befriedigen?
Ist es unser wahres Selbst, was eine echte Frage an die Welt stellt oder ist es unser Ego, welches in unendlichen Ausweichmanövern vor der Begegnung mit sich selbst zurückschreckt und uns immer wieder ins Außen, weg von unserem eigentlichen Inneren, führt?
Meditieren heißt neu sehen lernen. Es heißt, das Innere wie das Äußere so anzunehmen wie es sich in diesem Augenblick offenbart, ohne Vorstellungen, Erwartungen und andere Verzerrungen. Es heißt, den Baum als Baum zu erblicken und nicht als Zeichen eines erdachten Gottes. Es heißt, den anderen Menschen so sein lassen zu können, wie er ist. Es heißt, das lernen zu können, was sich im gegenwärtigen Moment in all seiner natürlichen Schönheit offenbart.
Dieses Sehen geschieht nicht von heute auf morgen. Wir werden noch oft enttäuscht werden, enttäuscht werden müssen. Doch mit jeder Enttäuschung schält sich unser Selbst aus dem Dunkel unserer vom Ego motivierten Erwartungen. Irgendwann lachen wir in diesen Momenten – und unser Lachen enthüllt die Dinge so wie sie sind: Frei, ebenso wie wir!

Seit heute erhältlich: Mein Buch "Selbst ein Anfang sein"...

  








Dirk Grosser: Selbst ein Anfang sein

Der große Verweigerer

Ingolf Bossenz hat in der Zeitung Neues Deutschland einen großartigen Artikel über Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. geschrieben, in dem er u.a. auf das Buch von Matthew Fox (Ratzinger und sein Kreuzzug) hinweist...
Sehr lesenswert und hier zu finden!

Dienstag, 20. September 2011

Entzauberung und wahre Magie

Foto: © andreiuc88 - Fotolia.com
Vor langer Zeit an einem kühlen Morgen… Eine stille Lichtung mitten im nebeligen Wald
Ein alter Mann mit einem weißen, langen Bart und wachen Augen, gewandet in einen dunklen Umhang, hebt seine Arme über den Kopf, singt Worte einer vergessenen Sprache, eines vergessenen Wissens… Die Luft flirrt, während sich seine Hände in fremdartigen Gesten bewegen. Sein Wille tritt ins Sein, etwas Neues wird geboren, ins Mysterium gewoben.
So stellen sich ihn viele vor: Merlin, den Archetypen europäischer Magier schlechthin. Unsere Sehnsucht gilt dem Zauber, den er wirkt. Der Zauber, der den Alltag durchbricht, der geheimnisvoll und mystisch in unser Leben einbricht, der verändert, uns aus Langeweile und Lethargie reißt und zum Guten führt.
Immerhin haben wir Gandalf. Und Harry Potters erstaunliche Magie hat zumindest aus sieben Büchern acht Filme gemacht. Doch reicht das, um unsere Sehnsucht zu stillen?

Die Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts hat – wenngleich notwendig, um Klerus und Adel ihre falsche Macht zu rauben, um die Wissenschaften zu fördern und um die Freiheit als höchstes Ideal zu postulieren – unsere Welt sozusagen als „Nebenwirkung“ ihrer fortschrittlichen Denkweise entzaubert, ihr das Geheimnis entrissen und sie auf ihre Funktion reduziert. Doch in der neugewonnen Maschinenwelt dürstet unsere Seele nach dem Mysterium.
In Büchern und Filmen bilden sich diese Sehnsüchte ab, bleiben jedoch oft reiner Eskapismus. Aber kann es in unserer Welt wahre Magie geben? Magie, die tatsächlich etwas verändert und die jenseits von peinlichen New-Age-Fantasien à la The Secret – mehr Geld, mehr Macht, mehr Sex – lebendig ist?

Ich denke, dass unser SEHEN wirkliche Magie sein kann. Unser Sehen ändert die Welt, in der wir leben. Untersuchen wir die Welt mit all unseren Sinnen und allen uns heute zur Verfügung stehenden Mitteln, und lassen wir uns dabei nicht von aufgetürmten Theorien den Blick verstellen oder uns von Dogmen irgendwelcher Art ins Bockshorn jagen, entdecken wir ein lebendiges und kreatives Universum. Wir entdecken einen Kreis aus Leben, in dem wir ein individueller Teil sind, der gleichzeitig in eine alles umspannende Einheit eingebunden ist. Unsere Sehnsucht kann zu Forscherdrang werden, der das Geheimnis wertschätzt und wieder das Staunen übt. Wir können unseren Kindern von Sternen erzählen, die Lichtjahre von uns entfernt geboren werden und von Galaxien, die aus Millionen dieser Sterne bestehen. Wir können ihnen von Pottwalen in der Tiefe des Meeres und von Gänsen, die den Himalaya überqueren erzählen. Wir können gemeinsam mit ihnen die Wunder dieses Kosmos bestaunen, uns von unserer Sehnsucht in die Weite führen lassen, die Welt durch unser wahrhaftiges Sehen verwandeln und so wahre Magie wirken.
Der eingangs erwähnte Merlin war nicht nur Magier, sondern auch Dichter und Seher. Wie er können wir tief in die Schönheit der Welt tauchen, diese mit unserem Sein hervorlocken und anderen Menschen schenken. Das ist der Zauber, den unsere Seelen brauchen!


Mehr zu den im letzten Absatz angesprochenen Themen findet sich in meinem Buch "Selbst ein Anfang sein", welches nächste Woche erscheint...